Kategorie: Film

Ein ganz besonderer Antrag #specialproposal

Caterina arbeitet in einer McDonald’s-Filiale mitten in Rom und ist gerade dabei, ein großes Schild zu reinigen. Salvatore, ihr Lebensgefährte, gefolgt von einer „Come Away With Me“ (Nora Jones) singenden A-cappella-Gruppe, betritt den Laden. Es ist der Moment, in dem Caterina eine der schönsten und rührendsten Überraschungen des Lebens bevorsteht.

Ich freue mich sehr, euch heute das großartige Video  „The Special Proposal“, realisiert von der italienischen Organisation CoorDown und der Agentur Saatchi & Saatchi für den Welt-Down-Syndrom-Tag 2015vorzustellen zu können.

Ist die Geschichte wahr? Mehr über Caterina und Salvatore

Weil ich neugierig bin und gerne mehr zu dem schönen Film wissen wollte, habe ich CoorDown kontaktiert und bin freundlicherweise mit einigen spannenden Hintergrundinformationen versorgt worden. Und damit hat sich die Frage, ob diese Geschichte wohl auf realen Begebenheiten beruht, schnell beantwortet. Ja! Dieser Film zeigt die wahre Geschichte von Caterina und Salvatore, die beide Mitte der 70er Jahre in Rom geboren wurden. Sie haben kürzlich gemeinsam an einem Projekt mit dem Namen Domus teilgenommen und leben seither zusammen mitten in Rom, unweit des Kolloseums. Caterina liebt Katzen und kocht sehr gern, weshalb sie einen Kochkurs besucht. Sie arbeitet in einer McDonald’s-Filiale in Rom und ist dafür verantwortlich, den Gästebereich sauber zu halten. Salvatore hat im Moment keine Arbeit. Er ist ein großer Fußballfan, vor allem von einem aus Rom stammenden Team. Salvatores größtes Hobby ist das Gitarrespielen.

„Ich würde es wieder tun“

In einem mir vorliegenden Interview verrät Salvatore, dass die beiden sich vor elf Jahren kennengelernt haben. Sie trafen sich auf einer Party und tanzten zusammen die ganze Nacht durch. Caterina genießt, dass Salvatore sich um sie sorgt und ihr immerzu das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes zu sein. Salvatores Liebe zu Caterina ist bedingungslos, er sagt, ohne sie könne er nicht leben. Caterina war so überrascht und nervös über den Antrag, dass sie vor Freude zittern und weinen musste. Aber auch Salvatore war sehr aufgeregt. Doch er ist sich ganz sicher: „Ich würde es wieder tun.“

Die Botschaft: die eigenen Lebensträume verwirklichen

Der Film thematisiert ganz zentrale Lebensthemen wie die Sehnsucht nach einer Partnerschaft, ein unabhängiges Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt und das Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmark anstatt in einer Sondereinrichtung. Für viele Paare ist es  großer Traum, eine Familie zu gründen, eigene Kinder zu haben. Das ist bei Menschen mit Down-Syndrom nicht anders. Anlässlich des WDSD2015 wird mit diesem Film darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, erwachsenen Menschen mit Down-Syndrom die Möglichkeit zu geben, Entscheidungen zu treffen und die „Regie“ für das eigene Leben zu übernehmen.

Danke Caterina und Salvatore!

Vorrei ringraziare Caterina e Salvatore che dividondo con il mondo questo momento così bello e speciale: Cara Caterina e Salvatore, vi auguriamo con tutto il cuore ogni bene per il futuro e che tutti i vostri desideri si avvereranno. Grazie ache a CoorDown, Satchi&Saatchi e a tutti che hanno partecipato a realizzare questo film.

(Ich möchte mich ganz herzliche bei Caterina und Salvatore dafür bedanken, dass Sie diesen besonderen und wunderschönen Moment mit der Welt teilen: Liebe Caterina, lieber Salvatore, ich wünsche Ihnen von ganzen Herzen alles Gute für Ihre gemeinsame Zukunft. Mögen all Ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Danke auch an CoorDown, Saatchi&Saachtchi und an alle, die zu diesem tollen Film beigetragen haben.) Und herzlichen Dank auch an die Übersetzerin dieser Zeilen.
Hashtag des Welt-Down-Syndrom-Tag ist:

# WDSD15

Zum Film:

#specialproposal

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Die „schöne neue Welt“, sie hat längst begonnen!

Heute stelle ich den Film „Der Traum vom perfekten Kind“ vor. Die Dokumentation von Patrick Hünerfeld ist eine Produktion des Südwestfunk und wurde im vergangenen Jahr in der ARD ausgestrahlt. Es wird berichtet, wie sich das Kinderkriegen zukünftig durch die neueren Möglichkeiten der Pränataldiagnostik verändern wird. Um das zu verdeutlichen, kommen mehrere Humangentiker zu Wort, die ihre ethische und medizinische Sicht darlegen. Die Schauspieler des RambaZamba-Ensemble werden unter anderem bei ihrer Arbeit an der Produktion „Mongopolis“ gezeigt. Eine Inszenierung, die die „Abschaffung“ von Menschen mit Down-Syndrom thematisiert. Einige der Schauspieler des Ensembles haben das Down-Syndrom und äußern ihre Sicht auf die Thematik. Außerdem werden drei Paare, die ein Kind erwarten in ihrem recht unterschiedlichen Umgang mit dem Thema gezeigt. Für mich hat dieser Film auch eine persönliche Bedeutung …

Ich bin schwanger, ungefähr im siebten Monat, und kann nicht schlafen. Ich liege im Bett, wühle und wälze mich hin und her. Ich spüre, wie die Kleine gegen meine Bauchdecke tritt. Der Papa liegt neben mir und schläft friedlich. Ich warte ungern darauf, wieder einschlafen zu können, weil es mir dann vorkommt wie eine Ewigkeit. Ich entscheide mich für Ablenkung und gehe ins Wohnzimmer, lege mich aufs Sofa und schalte den Fernseher ein: eine Reportage über Pränataldiagnostik … Wir haben uns ein paar Wochen zuvor das erste Mal mit dem Gedanken befassen müssen, dass die Kleine möglicherweise eine Trisomie haben könnte. Der Verdacht hat sich nicht weiter erhärtet und mein Plan lautet, Schwangerschaft genießen! Das ist aber zugegeben schon eine spezielle Stimmung, schwanger und mitten in der Nacht so eine Reportage zu schauen. Schwanger sein würde ja eigentlich schon ausreichen, aber die Nacht setzt noch mal einen drauf. Die Stille in der Wohnung, auf den Straßen und auch die Dunkelheit verstärken das Gefühl, alleine zu sein. So, als stünde alles um mich herum still … nur der Film, dessen Flackern den Raum etwas erhellt und ich … nur meine Ängste und ich … für diesen Moment das Gefühl, alleine auf einer winzigen Insel zu sein.

Am nächsten Morgen liege ich übermüdet auf der Untersuchungsliege in der Hebammenpraxis. Auf meinem Bauch ist das CTG angebracht, um eine halbe Stunde lang die Herztöne der Kleinen aufzuzeichnen. Ich erzähle der Hebamme von meinem mitternächtlichen Erlebnis, sie fragt mich, warum ich mir das „antue“ …

„Der Traum vom perfekten Kind“

Werdende Eltern haben eine tiefe Sehnsucht nach Sicherheit und möchten genau wissen, dass es ihrem Kind gut geht, dass es gesund auf die Welt kommt. Im Umkehrschluss heißt das in der Praxis häufig, dass alles an Krankheiten und Behinderungen ausgeschlossen werden soll, was möglich ist. Eltern wollen auf „Nummer sicher“ gehen. Die Dokumentation „Der Traum vom perfekten Kind“ zeigt, dass es technisch gesehen kaum Grenzen gibt, das gesamte Erbgut eines Ungeborenen zu analysieren. Der Einzug der neuen Gentests in die Schwangerenvorsorge ist nur der Anfang.

Guter Hoffnung sein

Durch die Gentests verdienen die Hersteller Geld mit den Ängsten werdender Eltern. Eine Garantie auf ein gesundes Kind kann dennoch niemand geben. Wobei die meisten Kinder ja gesund auf die Welt kommen. Und die meisten Behinderungen oder Krankheiten lassen sich nicht verhindern oder vorhersehen. Sabine Klarck ist Hebamme, sie erzählt im Film, dass Eltern immer seltener noch „Guter Hoffnung“ sind. Warum ist das so? Fehlt uns der Glaube und das Zutrauen in unsere Kraft? Oder halten wir diese, unsere eigene Gesellschaft für zu leistungsorientiert, dass wir Angst haben, ein Kind mit einer Behinderung könne hier nicht gut zurechtkommen? Ist es die Angst, plötzlich einer bisher unbekannten Minderheit anzugehören?

„Rasterfahndung“ nach dem Down-Syndrom

Das Ganze entwickelt sich zu weitaus mehr als zu einem persönlichen Thema. Es ist ein persönliches Thema mit gesellschaftlichen Folgen. Ein ethisches Thema. Prof. Wolfram Henn, Mitglied in der Ethikkommission der Bundesärztekammer, macht in der Dokumentation die Auswirkungen und die Dynamik deutlich, sollte der Gencheck als reguläre Kassenleistung in die Schwangerenvorsorge einfließen. Da der Bluttest so einfach und ungefährlich ist, ist davon auszugehen, dass er von den meisten Schwangeren durchgeführt wird. Mit der Folge, dass kaum noch Menschen mit dem Down-Syndrom geboren werden, da bislang mehr als 90 Prozent der Schwangerschaften bei Entdeckung des Down-Syndroms abgebrochen werden.

Dr. Gisela Höhne ist die Mitbegründerin und Regisseurin des Theaters RambaZamba und Mutter eines erwachsenen Sohnes mit Down-Syndrom. Sie macht deutlich, dass es das nie zuvor in der Menschheitsgeschichte gegeben hat, dass eine bestimmte „Art“ von Menschen vorgeburtlich „wenn man so will, ausgerottet“ wurde! Letztlich ist das ein Verbrechen, so Dr. Gisela Höhne.

Die Kernfragen

Prof. Christiane Woopen ist Vorsitzende im Ethikrat und beschreibt in „Der Traum vom perfekten Kind“, dass es um die Kernfrage geht, wie man das Ungeborene schützen und gleichzeitig das Recht der Frau auf Freiheit und Integrität bewahren kann. Wo sind die ethischen Grenzen und wo beginnt das Recht auf Informationen werdender Eltern? Daraus ergibt sich die weitere wichtige Frage, wie wir mit Informationen umgehen. Die technisch-medizinischen Möglichkeiten sind nur die eine Seite, die andere ist die Frage des Umgangs und unserer Verantwortlichkeit, die damit verbunden ist. Dabei spielt auch eine gute Beratung eine bedeutenden Rolle. Der Film macht deutlich, dass die Beratung hinsichtlich des Umgangs mit den Testergebnissen letztlich in die Hände der Ärzte gelegt wird. Haben die wirklich die Zeit in ihrer alltäglichen Arbeit, sich in aller Tiefe mit den Ängsten und Sorgen werdender Eltern zu befassen? Wohl kaum.

„Wir sind anders normal“

Meine Hebamme fragte mich ja, warum ich mir das „antue“, schwanger und mitten in der Nacht diesen Film zu sehen. Nein, denke ich heute … ich habe mir gewiss nichts „angetan“. Es ist sicher keine Reportage über Blumenwiesen im Sommer, aber ein Film, der wichtige und dringende Fragen aufwirft in diesen Zeiten! Spätestens als Petra Götze über ihre Tochter, die Schauspielerin Juliana Götze, die das Down-Syndrom hat, sagt „Ich könnte mir keine schönere und keine bessere Tochter vorstellen“ … und spätestens als einer der Schauspieler des RambaZamba-Ensembles sagt „Wir leiden eigentlich nicht. Wir sind anders, anders normal“muss deutlich werden, dass hier die Entwicklung in die falsche Richtung läuft! Offen bleibt, wo die Fäden von Entscheidungsträgern zusammenlaufen und in welchem Kontext über einen verantwortlichen Umgang mit genetischen Untersuchungen in der Schwangerenvorsorge entschieden wird. Oder überlassen wir die weitere Entwicklung einfach den Pharmaunternehmen?

Für eine Welt für alle!
die Mama

Die Dokumentation ist jetzt im Wissens-Verlag auch als DVD erhältlich.