Kategorie: Geschwister

Guter Hoffnung

Was für ein unbeschwerter Tag. Zufrieden und müde liege ich im Bett des Hotelzimmers. Der Raum ist dunkel, die Vorhänge sind zugezogen, nur das Leuchten meines Notebookbildschirms und ein winziger Spalt unter der Zimmertür lassen etwas Licht hinein. Durch das geöffnete Fenster kann man die Möwen hören, die Ostsee ist nur wenige Meter von uns entfernt. Die Kleine liegt in ihrem Bett und schläft friedlich. Die Große teilt sich ein Zimmer mit ihrer Cousine.

Gestern erst sind wir hier an der Ostsee angereist und verbringen nun ein paar Tage mit den Großeltern und ihren Enkelkindern. Eben, nach dem Essen, sind wir an den Strand gegangen. Die Kleine wusste gar nicht, wohin sie zuerst krabbeln soll, so fasziniert war sie von dem Sand, der ihr endlos erscheinen muss, ebenso wie das Meer , dessen leichtem und regelmäßigem Wellenschlag sie lauschte.

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Foto: privat

Wie macht die Möwe?

Im Lieblingsbuch der Kleinen sind Tierkinder zu sehen und daneben steht, welche typischen Geräusche sie machen. Beim Esel lacht sie sich gerne schlapp, wenn ich dann „I-Ah!“ mache. Das Maunzen der Katze macht sie manchmal nach und das klingt sehr niedlich. Aber am liebsten mag sie den kleinen Löwen, sie gibt dann ein „Uahh!“ von sich und bemüht sich, dabei ein gefährliches Gesicht zu machen. Oft macht sie das „Uahh!“ auch einfach so, wenn wir unterwegs sind und sie strahlt, wenn man dann sagt „Oh, du bist ja ein gefährlicher Löwe!“ Eben am Strand kamen uns die Möwen sehr nah und ich sagte zu ihr „Guck mal da, eine Möwe“, als sie dann „Uahh!“ machte, musste ich lachen. Nein, den Löwen meinte ich nicht und bemühe mich, nun etwas deutlicher zu sprechen.

Foto: privat

Schöne Nachrichten: Bald sind wir zu fünft

Dass ich am frühen Abend schon so müde bin, habe ich aber nicht nur der frischen Meeresbrise zu verdanken. Wir sind überaus glücklich darüber, dass wir bald ein Baby erwarten. Ich bin schwanger und noch in diesem Jahr werden wir zu fünft sein. Eine spannende und aufregende Zeit liegt vor uns. Eine Zeit, in der sich mal wieder viel verändern wird. Die Große fragt mich bald täglich, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, aber wir wissen es noch nicht. In diesen Tagen kann ich aber vielleicht sogar schon damit rechnen, die ersten Bewegungen, dieses Schmetterlingsflattern, zu spüren und es ist, als sei es erst gestern gewesen, dass ich bei der Kleinen drauf gewartet habe. Was für ein Sommer!

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Foto: privat

„Einfach Sontje“ – Mit Kindern über das Down-Syndrom reden

„Sontje hat uns alle fest im Griff. Manchmal nervt sie uns, manchmal ist es anstrengend, auf sie zu warten, Rücksicht zu nehmen oder das zu machen, was sie gerade will … Wenn andere nach meiner Schwester mit Down-Syndrom fragen, erzähle ich ihnen, wie das Leben mit ihr ist: ein bisschen anders, aber doch auch so, wie es mit einer kleinen Schwester eben ist. Für mich ist sie einfach Sontje.“

© Deutsches Down-Syndrom Infocenter (Bild vergrößert sich beim Anklicken)
© Deutsches Down-Syndrom Infocenter (Bild vergrößert sich beim Anklicken)

Es kann toll sein, mit Kindern über das Down-Syndrom zu sprechen, dann, wenn es an der Zeit ist, wenn es passt. Kinder haben häufig einen ganz anderen Zugang zu Themen wie Behinderung, der stärker vom Hier und Jetzt geprägt ist, weniger von (Zukunfts-)Sorgen. Und genau dann, wenn sich ein Kind für das Down-Syndrom interessiert, ist es großartig, ein Buch wie „Einfach Sontje“ im Bücherregal zu haben. „Einfach Sontje“ wurde im Oktober 2014 vom Deutschen Down-Syndrom Infocenter herausgegeben. Die Texte stammen von Michaela Hilgner und die Bilder von den Fotografinnen Maria Irl und Charlotte Sattler.

© Deutsches Down-Syndrom Infocenter (Bild vergrößert sich beim Anklicken)
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Warum traurig sein?!

Es ist, als öffne jemand ein großes Fenster und winke uns freundlich herbei. Genau genommen ist es Antonia, ein 13-jähriger, sehr sympathischer Teenager, die uns in „Einfach Sontje“ Einblicke gewährt in den Familienalltag mit ihren zwei Brüdern Kilian und Elias sowie ihrer dreijährigen Schwester Sontje, die das Down-Syndrom hat. Dass ihre Eltern traurig sind, als sie noch während der Schwangerschaft erfahren, dass Sontje das Down-Syndrom hat, konnte Antonia nicht verstehen und fragte sich, warum?! Wo doch Kinder mit Down-Syndrom auch lachen und laufen lernen können?!

© Deutsches Down-Syndrom Infocenter (Bild vergrößert sich beim Anklicken)
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Das 36-seitige und mit zahlreichen Fotos versehene Kinderbuch zeigt das Leben der dreijährigen Sontje. Mal sitzt sie kleckernd am Esstisch (was sie da wohl unter dem Tisch sucht?!), um sich dann im nächsten Bild ganz allein ihre Socken anzuziehen. Sontje werden ihre Zähne geputzt und sie geht in den Kindergarten, so wie die meisten Kinder. Auf einem Bild kann man Sontje dank ihres Gesichtsausdrucks förmlich weinen hören, nämlich als es beim Zöpfeflechten ungeheuerlich ziept und zwackt. Wir sind auch live dabei, als Sontje beim Einkaufen auf den einen unbeobachteten Moment wartet, um ihrer Mutter fröhlich und unbeschwert davonzuflitzen. Sontje hat keine Angst davor, alleine zu sein!

© Deutsches Down-Syndrom Infocenter (Bild vergrößert sich beim Anklicken)
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Ein Jahr lang, oder besser gesagt vier Jahreszeiten, wurden Sontje und ihre Familie von den Fotografinnen Maria Irl und Charlotte Sattler begleitet. Michaela Hilgner hat mir in unserer E-Mail-Kommunikation verraten, dass ihnen bei den Arbeiten an dem Buch das Wetter einen kleinen Streich gespielt hat. Es wollte für das Winterbild einfach keinen Schnee geben! Im Februar hörten sie dann auf zu warten … wie gut, dass es am Ochsenkopf im Fichtelgebirge Kunstschnee gibt. Dass Sontje so ein Fotoprofi ist, hat sicher auch mit ihrer fotografierfreudigen Mama zu tun, die übrigens auch einen eigenen Blog hat.

Was macht das Buch so unglaublich sympathisch?

Es ist die ausgeprägte Authentizität der Bilder, die einem das Gefühl vermittelt, direkt dabei zu sein. Das Bild der gesamten Familie auf der Treppe; man könnte meinen, dieser netten Bande (die man wirklich sofort ins Herz schließt) grade während eines Ausflugs zufällig begegnet zu sein, als einem dann der Papa vorsichtig auf die Schulter tippt und fragt, ob man mal eben kurz ein Foto von ihnen knipsen könnte. Die Bilder stellen den Moment mit Sontje und ihrer Familie ins Zentrum, ganz lebensnah, echt und mit liebevollem Blick. Jeder Moment erzählt seine eigene Alltagsgeschichte und bietet Kindern eine wunderbare Möglichkeit, sich wiederzuerkennen und Vertrautes zu entdecken und Neues kennenzulernen. Regelmäßige Stunden bei der Physiotherapie oder beim Ohrenarzt gehören ja für viele Kinder nicht zum Alltag …
Eines meiner Lieblingsfotos aus dem Buch: Sontje und das Eis ihres Bruders Kilian; wenn ein Blick einfach mehr sagt, als tausend Worte 😉

© Deutsches Down-Syndrom Infocenter (Bild vergrößert sich beim Anklicken)
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„Einfach Sontje“ ist ein pädagogisch sehr wertvolles Kinderbuch, dass Geschwister, Cousinen und Cousins und allen anderen Kinder das Leben mit dem Down-Syndrom liebevoll näher bringt. Es sollte in keiner Kita- Bücherkiste fehlen!

„Einfach Sontje“ kann Fragen beantworten, Vorurteile aus dem Weg räumen und Verständnis wecken. Deshalb soll das Buch überall, wo Kinder mit Down-Syndrom leben, lernen und spielen, angeschaut und (vor)gelesen werden.“
Cora Halder, Geschäftsführerin Deutsches Down-Syndrom Infocenter im Nachwort

„Einfach Sontje“ kann für 19,90€ beim Down-SyndromInfocenter bestellt werden.

„Du bist da und du bist wunderschön“

Heute möchte ich gern von einem zauberhaften Buch von Evelyne Faye und Birgit Lang berichten, das am 24.10.2014 erschienen ist. Ich freue mich schon seit Tagen darauf, es hier vorstellen zu können!

DU BIST DA – und du bist wunderschön
© Evelyne Faye und Birgit Lang (die Bilder können durch anklicken vergrößert werden)

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Autorin, Evelyne Faye, wurde in Paris geboren, lebt heute in Wien und ist die Mama der kleinen Emma Lou, die 2012 mit dem Down-Syndrom zur Welt kam. Die Illustrationen sind von Birgit Lang , die in Hamburg studiert hat und dort nach wie vor lebt.

Wer könnte uns besser durch ihre eigene Geschichte führen, als die kleine Emma Lou selbst?! Das Mädchen nimmt uns an die Hand und erklärt Seite für Seite ihre Welt. Zunächst erzählt Emma Lou von ihrer schwangeren und voller Hoffnung, Vorfreude und Schönheit strahlenden Mama mit ihren rot-glühenden Glückswangen, wie sie verträumt die Hände um ihren runden Bauch hält. Auch der Papa legt seine Hand liebevoll auf den Bauch und nimmt so Kontakt zu seinem kleinen Mädchen auf. Emma Lou erzählt, wie glücklich ihre Eltern während der Schwangerschaft waren und taucht anschließend mit uns in die Wünsche und Träume ihrer Eltern ein.

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© Evelyne Faye und Birgit Lang

 

 

 

 

 

Als sie auf die Welt kommt, sind Emma Lous Eltern jedoch plötzlich traurig. Und sie fragt sich: warum?! Wo doch alles an ihr dran ist und sie sogar noch eine Sache extra mitbringt?!!

Das Mädchen ist sich sicher: Seine Eltern hatten Angst – vor dem Unbekannten und dem Ungewissen.
Emma Lou hilft uns – Seite für Seite – aus den Ängsten und Vorstellungen heraus, die mit dem Down-Syndrom verbunden sind. Durch ihre glückliche und wundervolle Ausstrahlung lässt sie uns dabei niemals alleine.
Liebevoll, feinfühlig und auf verspielte Weise zeigen Evelyne Faye und Birgit Lang in „Du bist da“, wie die Phasen der Trauer und des Schocks nach der Diagnose der Hoffnung und Lebensfreude weichen. Und wie ein kleiner Mensch die Herzen seiner Eltern erobert. Ich bin mir sicher, Emma Lou wird auch die Herzen ihrer LeserInnen gewinnen!

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© Evelyne Faye und Birgit Lang

 

„Du bist da“ ist mehr als eine fantasievolle Liebeserklärung an die eigene Tochter. Das Buch beschreibt Ängste, ohne Angst zu machen. Es zeigt, dass das Leben schwer und doch so einfach sein kann. Ich glaube, wir brauchen solche Bücher. Ich behaupte sogar, dieses Buch hat gefehlt. Wir brauchen so dringend Bilder, wie sie hier von Birgit Lang geschaffen wurden. Sie bewirken etwas ganz Großartiges: Die alte, verkrustete Vorstellung vom Leben mit dem Down-Syndrom abzuwerfen und ein neues, aufgeschlossenes und positives Bild zu zeigen.

Dieses Buch ist für Geschwister, Cousinen und Cousins ebenso wie für Eltern oder Großeltern und Kindergärten geeignet. Auch für Krankenhäuser, Beratungsstellen oder Arztpraxen ist es eine mutmachende Ergänzung zu Conny Wenks „Außergewöhnlich“.

„Du bist da“ ist im Eigenverlag (dubistda Verlag) erschienen und kann auf dubistda.net für 24,90€ bestellt werden.