Monat: Januar 2015

Stört die Routinen!

Ich stehe an der Kasse eines Lebensmitteldiscounters und lege meine Ware auf das Band. Die Einkäufe liegen unten im Kinderwagen. Es ist etwas umständlich und ich stelle mich ungelenk dabei an in meiner Winterjacke. Ich muss jedes mal so tief in die Hocke gehen und wieder hochkommen, dabei schaffe ich vielleicht so drei Joghurts und eine Milch pro Vorgang. Hinter mir ist schon die nächste Kundin dabei, ihre Ware auf das Band zu legen. Ich bin nicht so schnell. Ein Kassiervorgang ist wie Sport; alles schnell auf das Band rauflegen, dann möglichst alles schnell und geordnet einpacken, die schweren Waren zuerst, dann die Joghurts, die Sahne und die Eier … dabei dann bloß keinen Stau entstehen lassen. Richtig gut bin ich als Kundin, wenn ich die Ware verstaut habe, noch bevor der Bezahlvorgang beendet ist. Mir gelingt das eher seltener, meist gewinnen die Kassierer diesen unausgesprochenen Wettbewerb. Mittelgut bin ich als als Kundin, wenn alles so einigermaßen verstaut ist, man es aber schafft, den Platz an der Kasse zu räumen und fernab der Kassenzone alles einzupacken. An diesem Tag nehme ich einen dieser Trennblöcke und schiebe damit die Saftpackungen, den Blumenkohl, die Mandarinen und die Dose mit passierten Tomaten und so nach vorne, damit die Kundin hinter mir ihre Waren schon mal auf das Band legen kann. Ich meine … wer hat schon Lust, unnötig viel Zeit an einer Kasse eines übel beleuchteten Discounters zu verbringen?!

Plötzlich Stillstand

Vor mir steht ein älterer Mann, der sich auf seinen Gehwagen stützt. Im Korb seines Wagens (es handelt sich dabei um ein in die Jahre gekommenes Modell) liegt eine graue, sehr abgenutzte und sehr große Fernbedienung. Er nimmt sie und hält sie dem Kassierer hin: „Hast du hierfür Batterien?“ Er hat es nicht eilig. Hinter mir hat sich eine Schlange gebildet. Ich schaue mich in der Kassenzone erfolglos nach den passenden Batterien um. Der Kassierer steht auf und verlässt seinen Platz wie ein Schauspieler, der unerwartet von der Bühne tritt. Und so gleicht das Raunen der Kunden auch dem der irritierten Zuschauer im Theatersaal.

Die Kasse bleibt stumm

Wechsle ich die Kasse jetzt lieber? Bin ich empört, vielleicht genervt oder ein bisschen gereizt? Die Kleine schläft im Kinderwagen. Wir haben doch eigentlich keinen Anspruch auf nichts denke ich dann so pauschal vor mich hin … Ein Kunde ist eine Figur. Und ein Kassierer ist auch eine Figur. Beide sind ganz gut auf Geschwindigkeit trainiert. Schnelligkeit ist das Recht des Kunden (es ist ja seine kostbare Lebenszeit, die man nicht mit unwichtigen Vorgängen verbringen will). Und Schnelligkeit ist die Pflicht des Kassierers. Wobei nach dem Bezahlen eine Wendung eintritt, dann ist der Kunde in der Pflicht, schnell die Kassenzone zu räumen, um nicht die kostbare Lebenszeit anderer Kunden unnötig zu stehlen. Gefühlsmäßig ähnelt ein Stillstand an der Kasse ja diesen Träumen, in denen man nicht von der Stelle kommt.

Seine Uhren gehen anders

Der Kassierer kommt mit den passenden Batterien zurück. Die Kunden honorieren das mit einem freundlich anerkennenden und erleichterten Seufzen. Dann aber: „Kannst du mir die reinmachen?“, der Mann mit dem Gehwagen hält wieder seine Fernbedienung hoch. Alle Blicke sind auf den Kassierer gerichtet. Weiterhin Stillstand. Der Kassierer öffnet die Packung und legt die Batterien ein. „Hier, die kannst du behalten. Ich brauche ja nur zwei.“ Der ältere Mann gibt dem Kassierer zufrieden die beiden übrigen Batterien und verlässt mit langsamen Schritten den Laden.

Der Kassierer hat die übrigen Batterien zum Mitnehmen angeboten. Die Kundin hinter mir nahm sie dankend an: „Batterien kann man ja immer gebrauchen!“

Ein Mensch ist keine Strapaze, niemals!

„Nimm‘s nicht so ernst!“, „Wie willst du klarkommen, wenn du dir jede blöde Äußerung zu Herzen nimmst?“, „Du wirst dein ganzes Leben mit solchen Aussagen zu tun haben, du musst dir ein dickes Fell zulegen“ … Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, als ich überlege, ob ich etwas zu diesem Kommentar schreiben möchte. Ich habe mich dann entschieden, dazu einen Text zu schreiben. Ganz einfach: Weil ich lebe, liebe, denke. Also berühren Worte, mal mehr mal weniger.

Wenn sie groß ist, werden die Blicke nicht mehr so freundlich sein

Meinen letzten Beitrag hatte ich zu meinen Gedanken über „Blicke“ geschrieben. Ein Kommentar hat mich nachdenklich gemacht:

Die Blicke werden nicht mehr so freundlich wenn Sie mit einer 20-jaehrigen durch Geschaefte ziehen.
Downs Kinder die aelter sind werden meistens zu einer Strapaze fuer die ganze Familie und auch die Umwelt. „ [sic]

Es geht nicht um diesen einen User. Ich möchte gar nicht versuchen, diesen einen Kommentar näher zu deuten. Ich denke nach über das Bild, das hier über Behinderung gezeichnet wird. Ich fürchte, es ist weiter verbreitet, als ich mir das wünsche. Dieses Bild zeigt Behinderung als Belastung. Ein Mensch, der auf Unterstützung durch andere angewiesen ist, wird als eine Last betrachtet oder –  wie in diesem Kommentar – eine Strapaze genannt.

Ihr Leben aber war ein großer Glücksfall

Ich musste in den letzen Wochen immer mal wieder an Gisela Großer denken. Im Dezember habe ich einen Artikel auf der Seite schwäbische.de mit der Überschrift „Ihr Leben war ein großer Glücksfall“ gelesen. Es geht darin um Gisela Großer, die nach kurzer und schwerer Krankheit am 11. Dezember 2014 gestorben ist. Sie kam 1942 mit dem Down-Syndrom zur Welt, diesen Februar wäre sie 73 Jahre alt geworden. Gisela Großer entkam der NS-Euthanasie und überlebte die Nazi-Zeit. Dass sie das Down-Syndrom hat, wurde weder von den Ärzten noch von den Schwestern an die Nazis gemeldet. Ihre Mutter musste in den ersten Jahren ganz besonders aufpassen, die Behinderung ihrer Tochter durfte auf keinen Fall entdeckt werden. Jeder Hinweis an die Nationalsozialisten – sei es von Nachbarn oder von Ärzten –  hätte das Ende ihres Leben bedeutet.

Als ich dann neulich mit der Kleinen in der Bücherei war, nahm ich mir Bücher zum Thema Euthanasie mit. Mein Großvater hat als Kommunist das Konzentrationslager Sachsenhausen überlebt, vielleicht habe ich daher dieses Interesse und diese Sensibilität, wenn es um das Thema geht. Doch dann lag der Stapel mit Büchern zu Kinderernährung, Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und zur Euthanasie tagelang völlig unangetastet zu Hause im Regal. Dieser Moment, an dem ich mich mal ganz in Ruhe hinsetze und lese, der kam irgendwie nicht, immer gab es andere Dinge, die wichtiger waren.

Euthanasie: Nur ein gesunder Mensch genießt uneingeschränktes Lebensrecht

Ich blättere dann doch an einem Abend durch die Bücher zu Euthanasie, lese in „Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst“, erschienen im Wallstein-Verlag. Schätzungsweise 300.000 Psychiatriepatienten starben durch die Nationalsozialisten. Der Wert des Menschen wurde während der Nazizeit im Sinne einer gesellschaftlichen Nützlichkeit bewertet. Nur der arbeitsfähige und gesunde Mensch genoss danach uneingeschränktes Lebensrecht. Schwäche, Krankheit, Verlust der Arbeitskraft und Abhängigkeit von der Zuwendung anderer galten als Faktoren, die den Wert eines menschlichen Lebens negativ belastet haben. Der Mensch wurde als Kostenfaktor betrachtet.

Natürlich rührt mich die Geschichte von Gisela Großer. Es ist die Geschichte einer Frau, die Glück hatte, in einer Familie aufzuwachsen und zu leben, die ihr Schutz und Geborgenheit gab. Gleichzeitig ist es auch eine Zeit- Geschichte, die an die Menschen erinnert, die den Nationalsozialisten nicht entkommen konnten.

Wer darf heute leben?

Mir gehen Gedanken über die heutige Testkultur durch den Kopf. Die Massenmorde der Nationalsozialisten waren ideologisch begründet und planmäßig durchgeführt und sind nicht mit der heutigen Selektion durch pränatale Diagnostik zu vergleichen. Doch ist die Euthanasie immer wieder ein Thema in Diskussionen um pränatale Diagnostik. Der Vergleich zwischen der Euthanasie des Dritten Reichs und der Pränataldiagnostik ist extrem vorsichtig zu betrachten. Aus Respekt vor den Opfern und deren Nachfahren ist in diesem Zusammenhang eine differenzierte und angemessene Diskussion geboten. Das jedoch aktuelle, ethisch geprägte Diskussionen um pränatale Diagnostik, die der Frage nachgehen, welches Leben als lebenswert erachtet wird, mit der Sicht der Nationalsozialisten auf Menschen mit Behinderung assoziiert werden, ist naheliegend – und ein kritischer Blick vor dem Hintergrund der Geschichte nicht vermeidbar.

Der Test wird eine Kassenleistung werden

Diesen Mittwoch wurde in der „Zeit“ ein sehr ausführlicher und umfangreicher Artikel mit der Überschrift „Der Test“ von Ulrich Bahnsen zum Thema pränatale Diagnostik und Down-Syndrom veröffentlicht. Bei „Zeit Online“ gab es auch ein umfassendes Multimedia-Dossier zu dem Thema (sogar in Leichter Sprache!).

Es wird schnell deutlich, dass Menschen mit Down-Syndrom gegenwärtig als Projektionsfläche herhalten müssen. Verbergen sich nicht vor allem gesellschaftliche Defizite hinter dieser Projektion? Faktisch können ja die wenigsten Behinderungen durch pränatale Diagnostik verhindert werden. Die meisten werden durch diesen Bluttest gar nicht erkannt. Und Fakt ist, dass wir immer mit Behinderungen leben werden müssen. Die vermeintliche Mehrarbeit oder Strapaze, die man mit einem Kind mit einer Behinderung haben soll, wird als Argument für die Selektion durch pränatale Diagnostik gerne herangezogen.

Die Möglichkeit, zukünftig völlig selbstverständlich im Rahmen der regulären Schwangschaftsvorsorge wählen zu können, ob man ein Kind mit Down-Syndrom möchte oder nicht, schürt Ängste. Es ist eine Möglichkeit, die Druck ausübt auf die werdenden Eltern und betont: Ihr als Eltern habt jetzt die Aufgabe und Verantwortung darüber zu entscheiden, ob euer Kind leben darf oder nicht. Wollt ihr euch das Leben „unnötig schwer“ machen? Wollt ihr euren anderen Kindern diese „Last“ wirklich aufbürden?! Wenn ihr euch für das Kind entscheidet, dann bedeutet das vielleicht mehr Belastung. Und wenn die Ehe dann kriselt … ja dann seid ihr selbst schuld. Wenn euer Kind vielleicht einen Herzfehler hat, ja dann seid ihr schuld. Ihr hättet es ja verhindern können! Wenn ihr dann mal müde seid, erschöpft, weil es manchmal mehr Kraft kostet, so viel Liebe und Energie in das Leben mit eurem Kind zu investieren als ihr aufbringen könnt, dann beschwert euch nicht! Ihr habt es so gewollt! Ihr hättet diese „Strapazen“ verhindern können! Wenn ihr eure berufliche Karriere unterbrechen müsst, dann denkt dran, ihr habt es ja damals nicht anders gewollt! Der Arzt hatte es euch ja angeboten! Es wäre nur ein Piks gewesen, dann nur ein kleiner Eingriff und alles wäre „gut“ gewesen, aber ihr wolltet es ja so.

Dich müsste es eigentlich nicht geben!

Natürlich steckt in dieser Testkultur auch eine Aussage, die sich direkt an Menschen mit Down-Syndrom richtet. Sie signalisiert „Weil du anders bist als die meisten Menschen, müsste es dich eigentlich heute nicht mehr geben!“ Ein bisschen Zeit habe ich ja noch, um mir zu überlegen, wie ich das eines Tages der Kleinen am besten erkläre …

Es ist sehr mutig, dass Lisa und Richard Erdiger in der „Zeit“ unter der Überschrift „Wir haben unseren Sohn getötet“ ihre Erfahrungen mit einer Spätabtreibung veröffentlicht haben. Es wird deutlich, dass die Entscheidung für eine Beendigung einer Schwangerschaft für die Familie eine extreme Belastung darstellen kann. Es ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, zu jedem Zeitpunkt bis zur Geburt eine Schwangerschaft zu beenden. Aber ungeschehen kann man sie nicht machen, sie ist und bleibt Teil der Biografie der Beteiligten.

Das Bild von Behinderung ist entscheidend

Doch ist es nicht diese Einstellung, die nach wie vor vorhandene Exklusion aus der Gesellschaft – in Kindergärten, Schulen und der Arbeitswelt, in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen -,die dazu führt, dass Behinderung häufig pauschal als Belastung, als Strapaze für alle empfunden wird? Die fehlende Vertrautheit im Zusammenleben mit Menschen mit einer Behinderung führt dazu, dass sie als die „Anderen“ gesehen werden. Dem Kind mit Down-Syndrom wird bei der Diskussion um pränatale Diagnostik das Stigma der Anstrengung, des nicht erfüllten Lebensglücks angeheftet. Die Eltern werden zu denjenigen, die sich entweder liebevoll und aufopfernd ihrem Schicksal hingeben wollen oder ihre eigentlichen Lebensziele ungestört weiter verfolgen.

Den Kern dieser großen Themen (die ich hier nur völlig unzureichend streife) sehe ich in dem Bild, in der Vorstellung, die von Behinderung in unseren Köpfen stattfindet. Am Beispiel des Down-Syndroms tritt es deutlich zutage. Und daher ist der Bezug zur Inklusion so enorm bedeutend. Denn nur durch das selbstverständliche Zusammenleben aller Menschen lässt sich dieses Verständnis auflösen.

Übrigens: Mein Kind kann Astronaut werden!

Einmal habe ich eine Mutter getroffen, die auch ein Kind mit Down-Syndrom hat. Sie sagte einen Satz, den ich nicht vergessen werde und für den ich ihr sehr dankbar bin. Wir sprachen über die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder und sie sagte „Ich möchte daran glauben können, dass mein Kind Astronaut werden kann“. Für mich sagt dieser Satz ganz viel aus. Weil wirklich niemand auf dieser Welt vorhersagen kann, was ein Kind (mit Down-Syndrom) lernen kann, alles ist offen.

 

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Ein Mensch ist keine Strapaze, niemals!

„Nimm‘s nicht so ernst!“, „Wie willst du klarkommen, wenn du dir jede blöde Äußerung zu Herzen nimmst?“, „Du wirst dein ganzes Leben mit solchen Aussagen zu tun haben, du musst dir ein dickes Fell zulegen“ … Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, als ich überlege, ob ich etwas zu diesem Kommentar schreiben möchte. Ich habe mich dann entschieden, dazu einen Text zu schreiben. Ganz einfach: Weil ich lebe, liebe, denke. Also berühren Worte, mal mehr mal weniger.

Wenn sie groß ist, werden die Blicke nicht mehr so freundlich sein

Meinen letzten Beitrag hatte ich zu meinen Gedanken über „Blicke“ geschrieben. Ein Kommentar hat mich nachdenklich gemacht:

Die Blicke werden nicht mehr so freundlich wenn Sie mit einer 20-jaehrigen durch Geschaefte ziehen.
Downs Kinder die aelter sind werden meistens zu einer Strapaze fuer die ganze Familie und auch die Umwelt. „ [sic]

Es geht nicht um diesen einen User. Ich möchte gar nicht versuchen, diesen einen Kommentar näher zu deuten. Ich denke nach über das Bild, das hier über Behinderung gezeichnet wird. Ich fürchte, es ist weiter verbreitet, als ich mir das wünsche. Dieses Bild zeigt Behinderung als Belastung. Ein Mensch, der auf Unterstützung durch andere angewiesen ist, wird als eine Last betrachtet oder –  wie in diesem Kommentar – eine Strapaze genannt.

Ihr Leben aber war ein großer Glücksfall

Ich musste in den letzen Wochen immer mal wieder an Gisela Großer denken. Im Dezember habe ich einen Artikel auf der Seite schwäbische.de mit der Überschrift „Ihr Leben war ein großer Glücksfall“ gelesen. Es geht darin um Gisela Großer, die nach kurzer und schwerer Krankheit am 11. Dezember 2014 gestorben ist. Sie kam 1942 mit dem Down-Syndrom zur Welt, diesen Februar wäre sie 73 Jahre alt geworden. Gisela Großer entkam der NS-Euthanasie und überlebte die Nazi-Zeit. Dass sie das Down-Syndrom hat, wurde weder von den Ärzten noch von den Schwestern an die Nazis gemeldet. Ihre Mutter musste in den ersten Jahren ganz besonders aufpassen, die Behinderung ihrer Tochter durfte auf keinen Fall entdeckt werden. Jeder Hinweis an die Nationalsozialisten – sei es von Nachbarn oder von Ärzten –  hätte das Ende ihres Leben bedeutet.

Als ich dann neulich mit der Kleinen in der Bücherei war, nahm ich mir Bücher zum Thema Euthanasie mit. Mein Großvater hat als Kommunist das Konzentrationslager Sachsenhausen überlebt, vielleicht habe ich daher dieses Interesse und diese Sensibilität, wenn es um das Thema geht. Doch dann lag der Stapel mit Büchern zu Kinderernährung, Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und zur Euthanasie tagelang völlig unangetastet zu Hause im Regal. Dieser Moment, an dem ich mich mal ganz in Ruhe hinsetze und lese, der kam irgendwie nicht, immer gab es andere Dinge, die wichtiger waren.

Euthanasie: Nur ein gesunder Mensch genießt uneingeschränktes Lebensrecht

Ich blättere dann doch an einem Abend durch die Bücher zu Euthanasie, lese in „Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst“, erschienen im Wallstein-Verlag. Schätzungsweise 300.000 Psychiatriepatienten starben durch die Nationalsozialisten. Der Wert des Menschen wurde während der Nazizeit im Sinne einer gesellschaftlichen Nützlichkeit bewertet. Nur der arbeitsfähige und gesunde Mensch genoss danach uneingeschränktes Lebensrecht. Schwäche, Krankheit, Verlust der Arbeitskraft und Abhängigkeit von der Zuwendung anderer galten als Faktoren, die den Wert eines menschlichen Lebens negativ belastet haben. Der Mensch wurde als Kostenfaktor betrachtet.

Natürlich rührt mich die Geschichte von Gisela Großer. Es ist die Geschichte einer Frau, die Glück hatte, in einer Familie aufzuwachsen und zu leben, die ihr Schutz und Geborgenheit gab. Gleichzeitig ist es auch eine Zeit- Geschichte, die an die Menschen erinnert, die den Nationalsozialisten nicht entkommen konnten.

Wer darf heute leben?

Mir gehen Gedanken über die heutige Testkultur durch den Kopf. Die Massenmorde der Nationalsozialisten waren ideologisch begründet und planmäßig durchgeführt und sind nicht mit der heutigen Selektion durch pränatale Diagnostik zu vergleichen. Doch ist die Euthanasie immer wieder ein Thema in Diskussionen um pränatale Diagnostik. Der Vergleich zwischen der Euthanasie des Dritten Reichs und der Pränataldiagnostik ist extrem vorsichtig zu betrachten. Aus Respekt vor den Opfern und deren Nachfahren ist in diesem Zusammenhang eine differenzierte und angemessene Diskussion geboten. Das jedoch aktuelle, ethisch geprägte Diskussionen um pränatale Diagnostik, die der Frage nachgehen, welches Leben als lebenswert erachtet wird, mit der Sicht der Nationalsozialisten auf Menschen mit Behinderung assoziiert werden, ist naheliegend – und ein kritischer Blick vor dem Hintergrund der Geschichte nicht vermeidbar.

Der Test wird eine Kassenleistung werden

Diesen Mittwoch wurde in der „Zeit“ ein sehr ausführlicher und umfangreicher Artikel mit der Überschrift „Der Test“ von Ulrich Bahnsen zum Thema pränatale Diagnostik und Down-Syndrom veröffentlicht. Bei „Zeit Online“ gab es auch ein umfassendes Multimedia-Dossier zu dem Thema (sogar in Leichter Sprache!).

Es wird schnell deutlich, dass Menschen mit Down-Syndrom gegenwärtig als Projektionsfläche herhalten müssen. Verbergen sich nicht vor allem gesellschaftliche Defizite hinter dieser Projektion? Faktisch können ja die wenigsten Behinderungen durch pränatale Diagnostik verhindert werden. Die meisten werden durch diesen Bluttest gar nicht erkannt. Und Fakt ist, dass wir immer mit Behinderungen leben werden müssen. Die vermeintliche Mehrarbeit oder Strapaze, die man mit einem Kind mit einer Behinderung haben soll, wird als Argument für die Selektion durch pränatale Diagnostik gerne herangezogen.

Die Möglichkeit, zukünftig völlig selbstverständlich im Rahmen der regulären Schwangschaftsvorsorge wählen zu können, ob man ein Kind mit Down-Syndrom möchte oder nicht, schürt Ängste. Es ist eine Möglichkeit, die Druck ausübt auf die werdenden Eltern und betont: Ihr als Eltern habt jetzt die Aufgabe und Verantwortung darüber zu entscheiden, ob euer Kind leben darf oder nicht. Wollt ihr euch das Leben „unnötig schwer“ machen? Wollt ihr euren anderen Kindern diese „Last“ wirklich aufbürden?! Wenn ihr euch für das Kind entscheidet, dann bedeutet das vielleicht mehr Belastung. Und wenn die Ehe dann kriselt … ja dann seid ihr selbst schuld. Wenn euer Kind vielleicht einen Herzfehler hat, ja dann seid ihr schuld. Ihr hättet es ja verhindern können! Wenn ihr dann mal müde seid, erschöpft, weil es manchmal mehr Kraft kostet, so viel Liebe und Energie in das Leben mit eurem Kind zu investieren als ihr aufbringen könnt, dann beschwert euch nicht! Ihr habt es so gewollt! Ihr hättet diese „Strapazen“ verhindern können! Wenn ihr eure berufliche Karriere unterbrechen müsst, dann denkt dran, ihr habt es ja damals nicht anders gewollt! Der Arzt hatte es euch ja angeboten! Es wäre nur ein Piks gewesen, dann nur ein kleiner Eingriff und alles wäre „gut“ gewesen, aber ihr wolltet es ja so.

Dich müsste es eigentlich nicht geben!

Natürlich steckt in dieser Testkultur auch eine Aussage, die sich direkt an Menschen mit Down-Syndrom richtet. Sie signalisiert „Weil du anders bist als die meisten Menschen, müsste es dich eigentlich heute nicht mehr geben!“ Ein bisschen Zeit habe ich ja noch, um mir zu überlegen, wie ich das eines Tages der Kleinen am besten erkläre …

Es ist sehr mutig, dass Lisa und Richard Erdiger in der „Zeit“ unter der Überschrift „Wir haben unseren Sohn getötet“ ihre Erfahrungen mit einer Spätabtreibung veröffentlicht haben. Es wird deutlich, dass die Entscheidung für eine Beendigung einer Schwangerschaft für die Familie eine extreme Belastung darstellen kann. Es ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, zu jedem Zeitpunkt bis zur Geburt eine Schwangerschaft zu beenden. Aber ungeschehen kann man sie nicht machen, sie ist und bleibt Teil der Biografie der Beteiligten.

Das Bild von Behinderung ist entscheidend

Doch ist es nicht diese Einstellung, die nach wie vor vorhandene Exklusion aus der Gesellschaft – in Kindergärten, Schulen und der Arbeitswelt, in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen -,die dazu führt, dass Behinderung häufig pauschal als Belastung, als Strapaze für alle empfunden wird? Die fehlende Vertrautheit im Zusammenleben mit Menschen mit einer Behinderung führt dazu, dass sie als die „Anderen“ gesehen werden. Dem Kind mit Down-Syndrom wird bei der Diskussion um pränatale Diagnostik das Stigma der Anstrengung, des nicht erfüllten Lebensglücks angeheftet. Die Eltern werden zu denjenigen, die sich entweder liebevoll und aufopfernd ihrem Schicksal hingeben wollen oder ihre eigentlichen Lebensziele ungestört weiter verfolgen.

Den Kern dieser großen Themen (die ich hier nur völlig unzureichend streife) sehe ich in dem Bild, in der Vorstellung, die von Behinderung in unseren Köpfen stattfindet. Am Beispiel des Down-Syndroms tritt es deutlich zutage. Und daher ist der Bezug zur Inklusion so enorm bedeutend. Denn nur durch das selbstverständliche Zusammenleben aller Menschen lässt sich dieses Verständnis auflösen.

Übrigens: Mein Kind kann Astronaut werden!

Einmal habe ich eine Mutter getroffen, die auch ein Kind mit Down-Syndrom hat. Sie sagte einen Satz, den ich nicht vergessen werde und für den ich ihr sehr dankbar bin. Wir sprachen über die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder und sie sagte „Ich möchte daran glauben können, dass mein Kind Astronaut werden kann“. Für mich sagt dieser Satz ganz viel aus. Weil wirklich niemand auf dieser Welt vorhersagen kann, was ein Kind (mit Down-Syndrom) lernen kann, alles ist offen.

 

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Über die Blicke der Anderen 

„Kann sie schon laufen?“ Ich stehe an einem Computerterminal in der Bücherei und gebe einen Suchbegriff in die Datenbank ein. Die Kleine hat ihre Freiheit entdeckt. Wenn sie nicht ausgesprochen müde ist, findet sie es ziemlich doof, im Kinderwagen zu sitzen. Sie beschwert sich dann lautstark und schimpft. Also hebe ich sie aus dem Wagen und sie krabbelt neben mir hin und her. Sie spreizt dann alle Finger und berührt mit ihrer Hand vorsichtig und konzentriert den rauhen, kratzigen Teppichoden. Es ist einer der Böden, die dafür gemacht sind, dass jeden Tag hunderte Menschen darauf laufen könnten, ohne dass man ihm das ansieht. Sicherlich trägt er auch dazu bei, dass es so still ist in den riesigen Räumen, er schluckt die flüsternden Worte und Geräusche, bevor sie ihre Reise erst antreten könnten. Ein älterer Mann mit einem grauen, langen Parka und einer Aktentasche in der Hand, bleibt hinter mir stehen. Ich spüre schon eine Weile, dass er die Kleine beobachtet. Er wirkt interessiert. Ich bin mir sicher, dass er die Kleine auch wegen des Down-Syndroms so aufmerksam anschaut. Es stört mich nicht. Ich denke, dass er vielleicht ein Opa eines Kindes mit Down-Syndrom sein könnte. Er fragt nach dem Alter der Kleinen. Als ich ihm sage, dass sie 13 Monate ist, erzählt der von seiner Enkelin, die mit neun Monaten noch nicht laufen könne. Er dachte, sie müsse mit neun Monaten schon laufen können. Kein Wort über das Down-Syndrom. Er sah es nicht. Ich sagte ihm, dass viele Kinder erst mit über einem Jahr laufen lernen. Zufrieden verabschiedet er sich und geht den Gang weiter entlang in Richtung Ausgang. Ich freue mich, dass ich ihn beruhigen kann und bin ein wenig stolz in diesem Moment. Die Kleine war auf eine Weise in dem Augenblick eine Minibotschafterin für das eigene Tempo eines jeden Kindes.

Was sie auch sagen, manchmal höre ich nur eins

Hin und wieder kann ich mich gut damit beschäftigen, was andere wohl denken könnten. Vielleicht habe ich manchmal recht, vielleicht aber auch nicht. Eine Woche vor meiner Begegnung mit dem interessierten Aktentaschenmann stehe ich in einer Schlange an einem Geldautomaten einer Bank. „Ist das ein freundliches Kind!“ Eine Frau steht hinter mir. Die Kleine wirft mir Blicke zu und will Quatsch machen. Die Frau kann genau sehen, wie niedlich und wie keck die Kleine sein kann. Für mich hat sie in dem Moment aber eigentlich gesagt „Ich mag ja solche Kinder, … ausgesprochene Sonnenscheinkinder!“

Ich sehe inzwischen selbst anders

Einmal – die Kleine ist vier Monate alt und schläft im Tragetuch – gehe ich die Treppe eines Möbelhauses hinauf. Dann sehe ich in einem Schlafzimmer eine Familie mit einem etwa vierjährigen Sohn, der auch das Down-Syndrom hat. Der Junge hüpft auf dem Bett herum. Bei mir löst das ein spezielles Gefühl aus, wenn ich Kinder oder Erwachsene mit Down-Syndrom sehe. Ich spüre eine sehr starke, tiefe Verbundenheit. Es ist, als würde ich alte Bekannte treffen. In dem Möbelhaus sehe ich neugierig den Jungen an und sehe ein fröhliches Kind und eine Familie, die glücklich wirkt miteinander. Ich schaue im Vorbeigehen die Mutter an. Vielleicht eine Millisekunde treffen sich unsere Blicke. Ich stelle mir vor, dass sie sich fragen könnte, warum ich so schaue. Vielleicht irritieren sie meine Blicke?

Über die Blicke der Anderen 

„Kann sie schon laufen?“ Ich stehe an einem Computerterminal in der Bücherei und gebe einen Suchbegriff in die Datenbank ein. Die Kleine hat ihre Freiheit entdeckt. Wenn sie nicht ausgesprochen müde ist, findet sie es ziemlich doof, im Kinderwagen zu sitzen. Sie beschwert sich dann lautstark und schimpft. Also hebe ich sie aus dem Wagen und sie krabbelt neben mir hin und her. Sie spreizt dann alle Finger und berührt mit ihrer Hand vorsichtig und konzentriert den rauhen, kratzigen Teppichoden. Es ist einer der Böden, die dafür gemacht sind, dass jeden Tag hunderte Menschen darauf laufen könnten, ohne dass man ihm das ansieht. Sicherlich trägt er auch dazu bei, dass es so still ist in den riesigen Räumen, er schluckt die flüsternden Worte und Geräusche, bevor sie ihre Reise erst antreten könnten. Ein älterer Mann mit einem grauen, langen Parka und einer Aktentasche in der Hand, bleibt hinter mir stehen. Ich spüre schon eine Weile, dass er die Kleine beobachtet. Er wirkt interessiert. Ich bin mir sicher, dass er die Kleine auch wegen des Down-Syndroms so aufmerksam anschaut. Es stört mich nicht. Ich denke, dass er vielleicht ein Opa eines Kindes mit Down-Syndrom sein könnte. Er fragt nach dem Alter der Kleinen. Als ich ihm sage, dass sie 13 Monate ist, erzählt der von seiner Enkelin, die mit neun Monaten noch nicht laufen könne. Er dachte, sie müsse mit neun Monaten schon laufen können. Kein Wort über das Down-Syndrom. Er sah es nicht. Ich sagte ihm, dass viele Kinder erst mit über einem Jahr laufen lernen. Zufrieden verabschiedet er sich und geht den Gang weiter entlang in Richtung Ausgang. Ich freue mich, dass ich ihn beruhigen kann und bin ein wenig stolz in diesem Moment. Die Kleine war auf eine Weise in dem Augenblick eine Minibotschafterin für das eigene Tempo eines jeden Kindes.

Was sie auch sagen, manchmal höre ich nur eins

Hin und wieder kann ich mich gut damit beschäftigen, was andere wohl denken könnten. Vielleicht habe ich manchmal recht, vielleicht aber auch nicht. Eine Woche vor meiner Begegnung mit dem interessierten Aktentaschenmann stehe ich in einer Schlange an einem Geldautomaten einer Bank. „Ist das ein freundliches Kind!“ Eine Frau steht hinter mir. Die Kleine wirft mir Blicke zu und will Quatsch machen. Die Frau kann genau sehen, wie niedlich und wie keck die Kleine sein kann. Für mich hat sie in dem Moment aber eigentlich gesagt „Ich mag ja solche Kinder, … ausgesprochene Sonnenscheinkinder!“

Ich sehe inzwischen selbst anders

Einmal – die Kleine ist vier Monate alt und schläft im Tragetuch – gehe ich die Treppe eines Möbelhauses hinauf. Dann sehe ich in einem Schlafzimmer eine Familie mit einem etwa vierjährigen Sohn, der auch das Down-Syndrom hat. Der Junge hüpft auf dem Bett herum. Bei mir löst das ein spezielles Gefühl aus, wenn ich Kinder oder Erwachsene mit Down-Syndrom sehe. Ich spüre eine sehr starke, tiefe Verbundenheit. Es ist, als würde ich alte Bekannte treffen. In dem Möbelhaus sehe ich neugierig den Jungen an und sehe ein fröhliches Kind und eine Familie, die glücklich wirkt miteinander. Ich schaue im Vorbeigehen die Mutter an. Vielleicht eine Millisekunde treffen sich unsere Blicke. Ich stelle mir vor, dass sie sich fragen könnte, warum ich so schaue. Vielleicht irritieren sie meine Blicke?

Schulische Inklusion in Hamburg – aktueller Streit um Zahlen

Puh, in Hamburg geht es diese Tage – so kurz vor der Bürgerschaftswahl im Februar – bildungspolitisch ziemlich hoch her. Streitpunkt sind Daten, die von Senator Ties Rabe zunächst trotz einer Anfrage der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion Stefanie von Berg nicht veröffentlicht wurden. Heute legt er sie dann doch offen!

Es wird zwar noch ein paar Jahre dauern, bis die Kleine mit der Schultüte in der Hand und dem Ranzen auf dem Rücken ihrem ersten Schultag entgegenfiebern wird. Dennoch beobachte ich die Diskussionen und Entwicklungen zur Inklusion mit großer Neugierde. Ich möchte Euch daher heute ganz kurz zu den aktuellen Themen hier aus Hamburg berichten.

Warum so spannend?

Das Hamburger Bündnis für schulische Inklusion veröffentlichte am 5. Januar eine Pressemeldung aus der hervorgeht, dass der derzeit amtierende Senator Rabe wichtige Informationen unter Verschluss hält. Bei diesen Informationen geht es um Zahlen, die basierend auf einer Untersuchung von Viertklässlern die sogenannten Förderbedarfe im Bereich Lernen, Sprach, emotionale und soziale Entwicklung (LSE) ermitteln. Nach Einschätzung des Hamburger Bündnis für schulische Inklusion ergibt sich aus den Ergebnissen der Untersuchung ein erhöhter Personalbedarf an Hamburger Schulen. Die „Hamburger Morgenpost“ und das „Hamburger Abendblatt“, die „Welt“ sowie die „taz“ berichteten. Heute veröffentlichte das „Hamburger Abendblatt“ nun die Zahlen.

Zum Hintergrund

Das 2014 gegründete Hamburger Bündnis für schulische Inklusion ist ein Zusammenschluss von aktuell 20 Organisationen, welches zum Ziel hat, das Thema Inklusion an Hamburger Schulen aktiv mit zu gestalten und wirkungsvoll in die Politik zu tragen. Seit mehr als zwei Jahren werden demzufolge die Forderung von Schulen nach einer besseren Personalversorung durch Senator Ties Rabe zurückgewiesen. Senator Rabe hat daraufhin das Regionale Bildungs- und Beratungszentrum (ReBBZ) mit der Diagnostik für die vierten Klassen beauftragt, um den umstrittenen Bedarf zu erfassen. Seit dem 19. Dezember liegen die Ergebnisse der Untersuchung vor, wurden aber zunächst nicht veröffentlicht. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion Stefanie von Berg hatte daher am Dienstag bei der Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) eine Beschwerde eingereicht. Stefanie von Berg bat zuvor Senator Ties Rabe in einer kleinen Anfrage um die Ergebnisse der Untersuchung. (welt.de)

Die Zahlen liegen nun auf dem Tisch

Die Zahlen liegen nun vor und das Ergebnis zeigt: „Es gibt weniger LSE-Kinder als behauptet und mehr als erwartet“, so Herr Rabe zum „Hamburger Abendblatt“. Die Untersuchung belege, dass 6,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen einen sogenannten Förderbedarf aufweisen.
Das entspricht in etwa der in der Presseerklärung des Hamburger Bündnis für schulische Inklusion angegeben Zahlen mit 6,9 Prozent. Im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“ sagt Senator Ties Rabe hingegen, dass das Hamburger Bündnis für Schulische Inklusion einen Anteil von 8 Prozent gemeldet habe! Als Reaktion auf die Ergebnisse verspricht Senator Ties Rabe nun 30 zusätzliche Lehrstellen zu schaffen und im Jahr darauf den Jahrgang sechs in derselben Höhe auszustatten. Das entspricht einer Investition von etwa vier Millionen Euro.
Heute Abend: Podiumsdiskussion!

Heute findet eine Podiumsdiskussion mit Senator Rabe und Stefanie Berg (GRÜNE) statt. Es wird spannend und interessant werden, wie das Hamburger Bündnis für schulische Inklusion, Senator Ties Rabe sowie Stefanie von Berg die vorliegenden Zahlen bewerten und einordnen.

Ich will mir das auf jeden Fall heute Abend anschauen und mir einen persönlichen Eindruck verschaffen. Für alle Interessierten, die nicht daran teilnehmen: follow me on twitter!

Wo und wann

Podiumsdiskussion mit Senator Ties Rabe und Stefanie von Berg (GRÜNE)
17-19 Uhr in der Aula Landesbildung für Lehrerbildung und Schulentwicklung Felix- Dahn- Str.3 in 20357 Hamburg.

Liebe Grüße

die Mama